Autorenportrait Alexander A. Gronau
TORHÜTER EPISCHER WELTEN




 "Die Poesie ist machtvoller als das Feuer.
Sie ist die Gestaltungskraft."




Im Herbst 2003 gründete ich den Autorenverlag Bibliothek Nemeton, um für einen neuen literarischen Ansatz Raum zu schaffen: die Visionäre Literatur. Seitdem lebe ich hauptberuflich als Schriftsteller. Mir geht es in meinem Schreiben gleichsam um die poetische Macht des Imaginären wie um die seelischen Dimensionen von Mensch und Welt; daraus entfalte ich meine Geschichten, die eine innere, verborgene Sicht auf die Wirklichkeit aufscheinen lassen. Meine Romane entwickeln einen epischen Charakter, was ich in unserer beschleunigten Zeit für besonders wichtig erachte. Mit Bedacht bewege ich mich mit meinem Verlag abseits des überkommerzialisierten Literaturbetriebs, da mir eine uneingeschränkte künstlerische Selbstbestimmung Grundbedingung ist. Ich wende mich damit gezielt an Leser, die - fernab des Mainstreams - nach tiefgreifenden Lese-Erfahrungen suchen. Damit harmoniert, daß alle Bücher aus meinem Autorenverlagshaus von mir selbst in Manufaktur so bibliophil wie liebevoll hergestellt werden.

Mit meinen Geschichten erkunde ich bewußt die Räume des Wachens und des Träumens; unter Traum verstehe ich dabei den inneren Raum von uns selbst und allem was ist. Diesen Raum will ich schreibend ausloten. In einigen meiner Bücher läßt sich "Innen" und "Außen", "Wachen" und "Träumen" nicht voneinander trennen, ebensowenig wie die Dämmerung ausschließlich dem Tag oder der Nacht zugehörig ist. Meine Geschichten sind oft Reisen in die Seelenräume der Welt und in die meiner Helden und Figuren. Sie weisen in unsere Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit hinein. So durchwandern meine Stoffe verschiedene Epochen, vergangene wie noch kommende.


Als Poet habe ich erkannt, daß es kulturgeschichtliche Gründe für die bedrohliche Welt- und Naturzerstörung gibt, welche die Menschheit zu einem Umdenken zwänge, das aber hartnäckig verweigert wird. Eine Hauptverantwortung für das Fehlgehen tragen meines Erachtens unübersehbar die sogenannten Weltreligionen, die das Bewußtsein unserer Spezies mit ihren welt- und frauenfeindlichen Dogmen weitgehend verprägt haben. In meinem umfangreichen Sachbuch "Die Monotheistische Matrix" durchgründete ich diese Thematik demaskierend. Es ist allein ein großes Tabu als Schriftsteller über die Verbrechen der Zwangschristianisierung auch des europäischen Kontinentes aufzuklären.

Wir leben leider allgemein in einer Zeit weitgehender Reflektionsverweigerung. Daher kann eine milliardenschwere, korrupte Oberschicht immer größere Teile der Bevölkerung verarmen lassen. Zugleich verflachen die Massenmedien die Menschen in ihrem Denken zusehends. Anspruchsvolle, kritische Literatur, die herausfordert und das eigene Bewußtsein entgrenzt, ist im herkömmlichen Literaturbetrieb mit seiner weitgehend belanglosen Unterhaltungs-Publikation längstens nicht mehr möglich. Ich finde diese Art Literatur jedenfalls nicht spannend. Auch kann ich mich als deutscher Schriftsteller, der sich in der reichen Tradition unseres eigenen Kulturkreises sieht, die von Schiller über Goethe bis zu E.T.A. Hoffmann, Hölderlin und Kafka reicht, um nur einige Namen zu nennen, nicht mit den amerikanisierten Genres unserer Zeit identifizieren, die da Mystery, Thriller oder Fantasy lauten. Ich setze dem Poetisches, Mythisches und Visionäres dagegen.



Geboren wurde ich in Nürnberg; eine geschichtsträchtige Stadt, die von einer immerwährenden Gegenwart des Vergangenen geprägt ist. Sie verfügt über eine mittelalterliche Stadtmauer, die unmittelbar am Hauptverkehrsring die Altstadt umgibt, wie um diese vor der unüberhörbar lärmenden Moderne zu schützen. Sie weist starke, mächtige Türme sowie viele Fachwerkhäuser auf. Die Burg sitzt auf einem Sandsteinfelsen, der Grotten birgt und durchzogen ist von unzähligen unterirdischen Gängen; in ihm hat man Gegenstände aus der Bronzezeit entdeckt. Die Zeit der Industrialisierung ist mit ihrer Häßlichkeit jedoch allzu präsent. Unübersehbar sind auch die Gebäude des sogenannten Dritten Reiches, die - wie vieles in Nürnberg - vor sich hin verfallen. Nürnberg ist also eine Stadt, die aus unterschiedlichsten Epochen viele Geschichten und Gesichter birgt, die einander überlagern und sich nicht selten abstoßen. Die Gegenwärtigkeit des Vergangenen inmitten einer äußerst maroden Moderne hat auf mich als Schriftsteller sicherlich einen subtilen Einfluß genommen.

Als Kind wuchs ich im Stadtteil Langwasser auf, an den damals ein sich selbst überlassener Mischwald grenzte, durch den ich oft mit gleichaltrigen Freunden streifte, und in den es uns immer wieder hineinzog. Er hatte unterschiedlich lichte und verbergend dunkle Gesichter. Man traf auf Rehe, unzählige Bachläufe durchzogen ihn und schufen schon mal Dutzende kleine Inseln. In seinem Grün spielten wir Abenteuer, waren alle mal Robin Hood und fanden uns dabei unbewußt in die Umgebung des Waldes ein. Die halbverschütteten und zersprengten Bunkeranlagen waren uns eher Höhlen und geheime Orte denn Kriegsüberbleibsel, auch wenn wir wußten, daß der uns ferne Krieg für die Großväter Wirklichkeit gewesen ist. Mich faszinierte jedenfalls das Geschichtenerfinden und der Wald war hierfür ein guter Hort der Eingebung. Mit zwölf begann ich zu schreiben und es wurde mir zum Erlebnis Geschichten aus mir heraus entstehen zu lassen, deren inneren Verzweigungen ich folgte wie den Bachläufen eines Waldes. Im Zentrum der von mir re-keltisierend nacherzählten alteuropäischen Überlieferung "Der erste Zweig des Mabinogi - Pwyll, Häuptling von Annwvyn" steht der rote Wald Glynn Cuch, der zusammen mit dem in ihm wohnenden Waldgott Arawn eine tragende Rolle spielt.


Aufgrund des Umstandes, daß der damals neue Stadtteil Langwasser wenige hundert Meter neben unserer Wohnanlage abrupt in einen Wald überging, der bis in die Fränkische Schweiz reichte, war ich zugleich ein Großstadtkind wie ein Waldkind. Und ich erlebte als Jugendlicher die empfindungslos tumbe Zerstörung dieses mich so wundersam berührenden Naturraumes. Es war eine Zerstörung, die mir den Verlust einer weit wertvolleren Welt bedeutete, als es die asphaltierte war, die der mit ganzer Seele wahrgenommenen Freiheit so ergraut folgte. Diese Grunderfahrung prägte mich und ich verdichtete sie weit später in meinem utopischen Romanen "Der Weltenring oder Die Suche nach dem grünen Land" sowie in meinem visionären Tagebuchroman "Der letzte Dichter in der Stadt ergrauter Schattierung", der im beklemmend futuristischen Jahre 2039 spielt, in dem der ganze Kontinent Europa nurmehr ein einziger gigantischer Stadt-Staat geworden ist, wo es kein erreichbares Außen mehr gibt, was nicht zuletzt eine Metapher dafür ist, daß unserer Welt eine global gewordene Einheitskultur droht, in der die Demokratie zur Farce verkommen ist.

Auch andere Dinge prägten mich. Als Jugendlicher hörte ich bei einer Familienfeier einmal nahe Verwandte mütterlicherseits über ein verarmtes Rittergeschlecht des in Nürnberg bekannten Hallerzweiges erzählen, was meine Phantasie beschäftigte, indem es mir früh vergegenwärtigte, wie eng die Vergangenheit mit uns selbst verwoben ist; es läßt mich heute danach fragen, woher wir kommen und was uns zu dem macht, der wir sind. Hier interessieren mich als Schriftsteller besonders die indigenen Ursprünge des Menschseins und demgemäß als Deutscher die vorchristliche Zeit unserer eigenen Ahnen. Denn ein Menschsein, das auf einem mythischen Weltwahrnehmen gründet, wie es bei den Kelten und Germanen als indigene Völker noch zu finden ist, erscheint mir überhaupt das faszinierendste Menschsein zu sein, und zugleich auch das Humanste, weil Seelischste. Meine Überzeugung ist, ohne seine indigenen Ursprünge zu kennen, kann sich der Mensch nicht nachhaltig mit sich selbst befreunden und bleibt ein Fremder in dieser Welt. Unsere eigenen Ahnen haben hingegen die Seele des Landes geschaut, in dem sie lebten, was mich tief berührt.


Daß mein Nachname “Gronau”, der auf einen Fluß in Norddeutschland zurückgeht, Grüne Aue bedeutet und in seinem Alter sogar als vorkeltisch und vorgermanisch angenommen wird, erfuhr ich relativ früh. Die Grüne Aue wurde daher in meinem schon angesprochenen Zukunftsroman „Der Weltenring oder Die Suche nach dem grünen Land“ zum wichtigen Motiv einer seelischen Landschaft. Durch ihr Wiederauffinden wird für den künftigen, sicherlich noch übertechnisierteren Menschen, der seine innere Natur noch weniger verstehen dürfte als der gegenwärtige, ein Ankommen bei sich und der Welt endlich wieder möglich. So lautet jedenfalls die in meinem Prosawerk umgesetzte Utopie. Jeder von uns sollte schon heute dieser ahnungsvoll Suchende sein!

Das obige Bild entstand beim Einlesen meines Gedichtes "Skalden und Fylgien" für mein neues Internet-Fernseh-Portal NemetonTV. Es behandelt den germanischen Glauben, jeder Mensch habe einen eigenen weiblichen Schutzgeist; die heutige Psychologie formuliert, jeder Mensch habe eine Anima.


Als Literat fasziniert mich zudem das Überlagern von Wirklichkeiten. Diese Wirklichkeiten bilden die Schichten aus denen sodann mittels der eigenen Imaginationskraft Geschichten wie mit einem Feuerstein geschlagen werden können. Überlagerungen von Wirklichkeiten - wie sie auch die Quantenphysik beschreibt - finden beinah in jedem meiner Werke statt. Und all meine Werke überlagern sich wiederum in ihren Realitäten gegenseitig. Dies paßt in ihrer künstlerischen Grundausrichtung wunderbar zum Charakter eines Multiversums. Zudem glaube ich, Geschichten zu schreiben, in denen nicht nur ich als deren Verfasser ein Leben lang gedanklich umherwandern kann, sondern auch der geneigte Leser. Dabei bilden alle Bücher zueinander facettenreiche Resonanzen. Geschichten als eine Art von Welten in sich zu tragen, ist etwas Wunderbares. Erst gestern überlagerten sich in meinem Bewußtsein im Zustand des Dösens etliche meiner Geschichten. Im ruhigen Rhythmus meines Atems tauchten aus unterschiedlichen meiner Bücher Szenerien auf- und ab; es war ein ganz eigenes Ein- und Ausatmen. Ich erwähne dies hauptsächlich, um einmal den wirklichen Reichtum eines Schriftstellers aufzuzeigen.

Wie bereits angedeutet, beschäftigte ich mich früh mit alteuropäischen Kulturen. Ich fand meine geistige Heimat in den bronzezeitlichen sowie den teilweise daraus hervorgehenden germanischen und keltischen mythologischen Vorstellungen, und hege zudem eine Zuneigung zur indianischen Kultur als einer verwandten indigenen. Wichtig sind für mich außerdem die deutsche sowie die daraus hervorgehende europäische Romantik, durch die ich mich als Heranwachsender las, mit Vorlieben für E.T.A. Hoffmann und den Dichterkreis um Mary Shelley. Nah sind mir auch der sozialkritisch-skurrile Realismus eines Charles Dickens, aber auch der Surrealismus, Symbolismus und magische Realismus.

Meine eigene Literatur macht aber sicherlich auch das Durchdringen moderner kosmologischer Theorien aus. Demzufolge ist mir die Meta- und Quantenphysik und allenthalben das Visionäre in der Kunst sehr bedeutend. Denn die Möglichkeit zu visionären, imaginären Vorstellungen ist das, was uns als Menschen stark ausmacht. Auch habe ich erkannt, daß viele Mythen tiefe Wirklichkeitsebenen in Seelenbildern darstellen, die für uns Menschen anders gar nicht zu begreifen sind. Die heutige Gleichsetzung von Mythen mit Lügen ist mir ein Graus und zugleich ein Beweis für die um sich greifende Geistlosigkeit unserer Zeit. Das Zurückbringen des Walkürenmythos in unsere Kultur, - was ich mit meinem Walkürenroman "Die Walküre Swanhild", der meinen Recherchen nach der erste Walkürenroman der gesamten Literaturgeschichte ist, sowie mit meiner Kinderbuchreihe "Die kleine Walküre" vollziehe - , stellt meinen feuernen Schutzwall dagegen dar.

Ritt mit meiner indianischen Adoptivfamilie über die Prärie der Lake Traverse Reservation


1993 reiste ich erstmals nach Nordamerika um Indianerreservationen zu durchwandern. Aus eigener Anschauung nahm ich wahr, wie verheerend auch dort das Christentum naturreligiös empfindende Menschen hat zwangsbekehren wollen. Inzwischen wurde ich von einer Familie der Sisseton-Wahpeton-Dakota in der Lake Traverse Reservation adoptiert. Ich erhielt von einem Stammesältesten, der ein Hüter der Heiligen Pfeife und zudem Stammeshistoriker ist, vier geweihte Adlerfedern für mein Wirken als Schriftsteller; es ist wohl mein wertvollster Besitz. Viele Erlebnisse auf den Reservationen konnte ich in meinen Roman indianischer Thematik "Frei wie der Wind - Tah-OH-pe Nagi" einfließen lassen, auch hatte ich die Möglichkeit seine Inhalte mit indianischen Ältesten zu besprechen.

Visionssucheplatz der Dakota-Indianer auf dem Bear Butte in den Black Hills von Süd Dakota


Die Erfahrung bei den Dakota aus unserer Zivilisation mit ihren kulturellen Prägungen vollständig herausgetreten zu sein und dort eine animistische Weltsicht zu erleben - wie sie ähnlich im indigenen Europa gegenwärtig gewesen ist - bereichert mich sehr. Auch hat sich in den letzten Jahren immer stärker für mich herauskristallisiert wie wichtig es ist, die identitätsgestörten Deutschen wieder mit ihren eigenen indigenen Wurzeln zu verbinden. Denn hier liegt ein schwerer seelischer Schaden vor, den zu heilen ich vornehmlich als eine dichterische Aufgabe betrachte. So bringe ich mit meinem Buch "Die Weiße Göttin Huldr" unsere eigene große germanische Erd- und Himmelsgöttin in unser Bewußtsein zurück.

Erst durch die imaginäre Begabung evolutionierten wir uns zum Menschen. Unsere Menschwerdung ist also wesentlich von etwas nicht greifbar Geistigem, Seelischem, ja Träumerischem geursacht, also ausgerechnet von etwas, das unsere Zivilisation geradezu manisch ablehnt überhaupt als Teil der Realität anzunehmen. Nicht zuletzt dies ist wohl einer der Gründe für die ablaufende fortschreitende Verdummung. Die Menschen der sogenannten Steinzeit kultivierten hingegen ihre Visionsbegabung. Sie schauten die Erde als Göttin, die Sonne zumeist als männliche Gottheit, denn in allen Dingen gewahrten sie lebendiges Bewußtsein. Sie sprachen allem, was von Natur aus existiert eine eigene Seele zu, ob Baum, Fels oder Fluß. Sie schöpften aus ihrem Unterbewußten und kreierten letztlich alles Maßgebliche, was uns Menschen heute positiv ausmacht: Eine komplexe Sprache, Kunst, Musik, Religionen ohne Kirchen und mit Göttern. Ganz anders ist dagegen der heutige, vom Monotheismus geprägte Mensch. Jener lebt nicht nur von der Natur, sondern ebenso von seinem eigenen Unterbewußten allzu abgespalten. Dieses, sein eigenes Unterbewußtsein fürchtet er sogar oft als etwas Fremdes in sich, denn er weiß nicht mehr, daß dieses Unterbewußtsein gleichbedeutend mit seiner Seele ist. Er vermag nicht einmal mehr seine eigenen Träume zu deuten, er versteht also sich selbst nicht mehr. Dieser in jener Hinsicht ahnungslose Mensch ist in unserer Zeit wohl die traurige Norm, was viel der Destruktivität unserer Gegenwart wie Geschichte erklärt. Dagegen will ich als Schriftsteller, Romancier und Skaldendichter eröffnende Utopien kreieren.

Der
Skalden-Dichter Alexander A. Gronau zwischen drei stattlichen Eichen auf einem in der Fränkischen Schweiz gelegenen Berg


Einen unterschwelligen Einfluß auf die Art meines Schreibens hat sicherlich auch, daß ich mit dem Schlagzeug ein Musikinstrument spiele und mir daher der Rhythmus und Klang von Sprache sehr wichtig ist. Als Bogenschütze erlernte ich zudem in einer aufrechten Haltung Spannung zu erzeugen sowie mit schärferem Auge die Intuition für die eigentlichen Ziele im Leben zu entwickeln. Innere Haltung, Spannung und Intuition, diese drei Elemente sind mir nicht zuletzt bei meinem Schreiben wichtig.

Die Poesie ist machtvoller als Feuer. Sie ist die Gestaltungskraft! Die Poesie ist aber auch wie das eigene, innere Feuer, das man in sich erfühlen und ertasten muß, um ihm Form in der Sprache zu geben. Gespeist wird es aus dem, was in unserer Kultur das Unbewußte genannt wird; unbewußt muß es einem aber nicht bleiben, dann nämlich nicht, wenn man der eigenen Bilderwelt nachgeht. Durch das Schreiben von Geschichten will ich diese inwendigen Schichten von Wirklichkeit entfalten. So legt der Poet meines Zukunftromans "Der letzte Dichter in der Stadt ergrauter Schattierung" in der ergrauten Realität einer futuristisch übertechnisierten Welt, in der Menschen kaum noch etwas Menschliches an sich haben, seine lohende Innenwelt frei und sucht durch sie einen Ausweg aus dem global gewordenen Moloch, der sich Zivilisation nennt; seine bloße Existenz ist für das sich entmündigte Konsumenten züchtende System bereits ein Affront. Denn er drängt mit seiner Poetik ins Freie, Unbändige.

Die grüne Aue als mythische Landschaft


Nach meiner Überzeugung ist es eine kollektive gesellschaftliche Entscheidung nur an das Materielle und an keinen seelischen Sinn in den Dingen zu glauben. In meinen utopischen Büchern verknüpfe ich daher gerne mythische Vorstellungen mit neuesten kosmologischen Weltbildern. Das Visionäre geht in meinen Geschichten stets aus der Wirklichkeit hervor. Doch unterscheidet sich meine Art der Wahrnehmung. Das Mythische ist nicht nur in der inneren Bilderwelt des Menschen zu finden, sondern innerster Bestandteil der Welt selbst. Im Besondern möchte ich in meinen Geschichten die Ahnung aufscheinen lassen, welch sinnhaftes Menschsein (wieder) möglich wäre.

Wir entscheiden uns selbst in mancherlei Hinsicht für eine bestimmte Realität. Denn Realität ist nichts starr Festgefügtes. Die Quantenphysik lehrt, daß wir oft weit mehr die Realität interpretieren als objektiv erkennen. Für was wir keine Begriffe haben, oder was kulturell streng verboten ist, filtert unser Gehirn sogar aus. Jeder Katholik oder Salafist wird jede Göttinnen-Wahrnehmung seines Unbewußten verdrängen, obgleich alle nicht-monotheistischen Kulturen der Menschheitsgeschichte die Erde stets als Göttin erlebten und geschaut haben. Jedes Regime bemüht sich mittels Propaganda um die Bewußtseins-Manipulation seiner Bürger. Und die heutigen Medien verkommen zusehends zu Predigern der aktuellen Staatsideologien.


Meine liebste Dreihändigkeit:

Als Schriftsteller ist es mein Ziel die inneren Schichten mir als Geschichten freizulegen.

Als Schlagzeuger suche ich den mir eigenen Rhythmus zu erfassen und mich in ihm zu erspüren.

Als Bogenschütze möchte ich das wesentliche Ziel ausmachen und in aufrechter Haltung anvisieren.


Die Kehrseite davon lautet: Je besser wir unser Unterbewußtes kennen, um so selbstbestimmter leben und denken wir, denn desto mehr der Wirklichkeit können wir unverfälscht erkennen. Es ist sehr bezeichnend, daß unsere Zivilisation keinerlei Umgang mit dem eigenen Unbewußten lehrt, was vielen alten Kulturen selbstverständlich war. Der Lehrsatz lautet doch: Wahrnehmung ist ein kreativer Akt! Um dem gerecht zu werden, bedarf es des seelisch freien Menschen. Hieran knüpft meine Visionäre Literatur an. Ein besonders integraler Bestandteil ist diese Thematik in meinem Werk "Masken der Macht", in welchem eine Geheimgesellschaft einen abseits lebenden Grafen als den Letzten noch nicht Vereinnahmten mit dem Versprechen zur Machtteilhabe, in Wahrheit aber zur unterwerfenden Ichzerstörung sein Gesicht nehmen will. Und der Suchende im Roman "Der Weltenring oder Die Suche nach dem grünen Land" kann in der Welt nur finden, was er schon in sich trägt.

So breche ich mit jeder meiner Geschichten zu einer neuen Reise auf, um innere Schichten von Mensch und Welt freizulegen, Sinnhaftes zu ergründen und näher beim Anderen - ob Fels, Mensch oder Landschaft - anzukommen. Das seelisch Edle ist mein Ziel. Das Leben ist für mich eine Wanderung ob der Begegnung mit sich selbst und dem Anderen. Im Entdecken des Gegenübers und dem Begreifen von Naturerscheinungen erfahren wir unsere eigene Verwandtschaft mit allem Irdischen und Kosmischen und werden zugleich freier und im wahrsten Sinn des Wortes mitfühlender. Es bewirkt ein inneres Wachsen.



Als Schriftsteller erstelle ich kein reines Abbild des Sichtbaren. Schreiben bedeutet für mich viel mehr Unsichtbares sichtbar zu machen, eine innere Vision von Wirklichkeit freizulegen, zu deren Torhüter ich meinem Verständnis nach sodann als Autor werde. So kann der Leser in jedem meiner Bücher eine andere zur Geschichte verdichtete Vision beschreiten, diese erkunden, in ihr die Tiefe wie die Weite ausloten und Eigenes ergründen; denn Poetik vermag mit allem Leben und allen Dingen seelisch zu verbinden, das eigene Bewußtsein entgrenzend. So wünsche ich dem Leser Neugierde auf mein Werk und den Mut, es sich zu entdecken!

Alexander A. Gronau





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Fotos 1, 2, 4 und 13 von Lilia Alva,

Fotos 3, 6, 11 und 14 von Alexander A. Gronau,

Fotos 5, 9 und 12 von Peter Engelhardt,

Fotos 7, 8 und 10 von Eberhard Gronau

Das nebenstehende Foto zeigt die Darstellung eines Grünen Mannes an einem Brunnen in Nürnberg.



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