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Der im ungekannten Land nach vier Richtungen Ausschreitende

Antikriegserzählung um einen US-Soldaten indianischer Herkunft

von Alexander A. Gronau




Hintergrundinformation zur Erzählung um einen US-Soldaten indianischer Herkunft:

Wenige Wochen nachdem ich die Erzählung "Der im ungekannten Land nach vier Richtungen Ausschreitende" geschrieben hatte, las ich einen Bericht über einen u.s.amerikanischen Soldaten indianischer Abstammung, der nach Greueltaten an der Zivilbevölkerung Iraks traumatisiert zu seiner in der heimatlichen Reservation lebenden Familie zurückkehrte, wo seine zerrüttete Seele nur durch alte Rituale seines Volkes wiederhergestellt werden konnte. Er äußerte sich dahingehend, daß er es nicht mehr ertrug in der Uniform der USA auf ebenso hilflose Menschen zu schießen, wie es seine eigenen Ahnen einst gewesen waren. Dieser Bericht zeigt den Realitätsbezug meiner Erzählung, denn er beschreibt genau den Ausgangspunkt meiner Geschichte "Der im ungekannten Land nach vier Richtungen Ausschreitende".

In ihr geht es um einen amerikanischen Soldaten indianischer Herkunft vom Stamm der Navaho (dieser ist mit knapp 380.000 Menschen der zweitgrößte Stamm in den USA). Meine Hauptfigur desertiert inmitten des Kriegsgeschehens, weil er die Massaker an den hiesigen Dorfbewohnern nicht mehr erträgt, deren Frauenverachtung und Verstümmelungen ihn zugleich schwer schockieren, entstammt er doch einer unpatriarchalen Kultur, die keinen allmächtigen, außerirdischen Schöpfergott kennt und in der die Erste Frau die Geschlechter der Menschen schuf, um die Menschen einander in die liebende Begegnung zu führen. Bei den Hinrichtungen ärmlicher muslimischer Bauern, stellen sich ihm immer wieder überlagernd Bilder aus der tragischen Historie seines eigenen Volkes ein, wodurch er schmerzhaft begreift, daß all diese Greueltaten, die er mitzubegehen hat, von eben jener Armee verübt wird, die zuletzt in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts sein eigenes Volk niedergeschossen hat. Er flüchtet sich schließlich leidenden Gemüts im ungekannten Land des Nahen Ostens in die Wüste, die ihm aus seiner Heimat nicht ganz fremd ist und wo sein Geist schließlich im Zustand größter Erschöpfung in alle vier Himmels-Richtungen zugleich ausschreitet, die in den Mythen seines Volkes auf heilige Weise die Welt erschaffen. Aus jeder Richtung, die ihn zeitgleich jeweils an einen vollständig anderen Ort mit eigenen Geschehnissen bringt, - einmal durchschreitet er auf dem Grund das Meer, ein andermal gelangt er in eine Schlucht vollkommener Stille, in der dritten Richtung gerät er in ein Gefangenenlager und in der vierten kehrt er zu seiner Großmutter heim - nimmt er während seiner Wanderung etwas Bedeutsames mit sich, um im durchdringenden Erkennen der Seele der Welt wieder ganz zu werden.

Aus dieser Handlung ergibt sich für die Geschichte ein faszinerendes Erzählmuster, das in seiner Gestalt den zeremoniellen Sandbildern der Navaho ähnelt, die den inneren Aufbau der Welt mit all ihren Geisterkräften und Göttern aufzeigen und die für Heilrituelle verwendet werden. Nur aus dem Wissen um die Harmonie der Welt können selbst die klaffenden Wunden des Krieges geheilt werden. Das Überleben der Navaho als Volk beweißt dies eindrücklich, auch wenn es weiterhin bedroht bleibt, da das weiße Amerika gierig nach dem Uran auf ihrer Reservation verlangt. Im fernsten, ungekanntesten Land, durch die Ödnis des Nahen Ostens wandernd, die Traumata erschossener Menschen in sich und um sich herum sehend sowie wund blutend, kommt der Soldat indianischer Herkunft mit jedem getanenen Schritt zugleich näher bei sich und seiner kulturellen Identität an.

Er erkennt schließlich, daß er einem Kulturbringer seines Volkes ähnelt, dessen Legende in großen Sandbildern dargestellt wird und der Whirling Log genannt wird. Es wird erzählt, daß jener als ein Ausgestoßener in fernen Ländern Frieden und Sicherheit finden wollte. Zuerst versuchten vier Götter ihn davon abzuhalten. Als sie jedoch seine Entschlossenheit erkennen, helfen sie ihm, einen Baumstamm auszuhöhlen, der ihn den Fluß hinabträgt. Auf seinem Weg begegnen ihm viele Mißgeschicke, die ihn zu Erkenntnis und spiritueller Weisheit führen. Irgendwann gerät er in einen Strudel - daher sein Name, welcher „wirbelnder Stamm'' bedeutet. Schließlich holen ihn die Götter rettend aus dem Wasser und lehren ihn Sandbilder zu kreieren. Daraufhin kehrt er zu den Leuten seines Volkes zurück und teilt mit ihnen sein Wissen. Der desertierte indianische Soldat beginnt die Hoffnung zu hegen, daß ihm selbst ob all des Schmerzes und der klaffenden Wunden seiner Seele eine ähnliche Rückkehr in seine unerreichbar scheinende Heimat gelingen könnte. Denn er will seinem Volk mit der eigenen Person keine in sich eingefleischte Gewalt mitbringen, sondern Weisheit.

Wunderbar war der Moment als ich als Dichter erkannte, welch faszinierendes Mustergeflecht meine Erzählung ergibt, was einem mythenbildenden Sandbild der Navaho spannenderweise ähnelt, und so machte ich mich daran, dies zu zeichnen. Es liegt dem Band als farbige Karte auf edlem Pergamentpapier bei und ist untenstehend mit einigen Erläuterungen im Kleinen abgebildet.





Aus der Mitte seines Ichs schreitet die indianische Haupfigur nach allen vier Richtungen, welche die Welt erschaffen, aus, und zwar zeitgleich, was literarisch zu lösen sehr herausfordernd war. Die vier Wege gehen nach der Tiefen Erde, der Himmelsregion, nach dem Meer und gen Heimat. Eingebettet ist das Geschehen im kosmischen Raum. -Genaueres erfährt der Leser des Buches.


Die Grundidee zu meiner Geschichte Der im ungekannten Land nach vier Richtungen Ausschreitendekam mir, als von W. Bush - unter Täuschung der UNO - der Zweite Golfkrieg verbrochen wurde, der den Nahen Osten ein weiteres Mal mit samt seiner Zivilbevölkerung zerbombte. Da ich wußte, daß nicht wenige Indianer beim US-Militär sind, zumeist um sich ein ansonsten nicht finanzierbares Studium zu ermöglichen, war mir der Konflikt bewußt, den dieser mordende Kriegszug in einem fernen, ungekannten Land für einen Indianer bedeuten mußte, zumal in der selben Uniform, die einst die Mörder des eigenen Volkes getragen hatten. Auch sprach ich mit befreundeten Navaho- und Dakotafamilien über dieses Thema, denn ich verbringe in meinem Leben immer wieder viele Monate im Reservations-Land der Indianer und wurde von einer indianischen Familie adoptiert.

Im ungekannten Land des Nahen Ostens kommt der US-Soldat indianischer Herkunft in eine Schlucht der vollkommen Stille, in der er fast vertraute Felsenmalereien von den vergessen Göttern der Region auffindet, welche die einheimischen Muslime als angeblich böse Dämonen ablehnen. Der Ort ist seiner wüstenhaften Heimat nicht unähnlich, aber weist nicht solche weichen, runden Formen und regenbogengleichen Farben auf wie das Canyon-Land seines Volkes. In der absoluten Stille beginnt er seinen eigenen Herzschlag wie eine innere Naturgewalt zu hören und seinen ryhthmischen Atemfluß. Eines Tages kommt statt der befürchteten, ihn ins Fadenkreuz nehmenden Einheit eine unverschleierte Frau gen Schlucht gewandert, die vor den frauenverstümmelnden Taliban flieht. Es kommt zu einer sich mythisch ausnehmenden Begegnung




Die Navaho leben im Südwesten der USA, ihre Reservation ist in etwa so groß wie das Bundesland Bayern. Sie selbst nennen sich Dineh. Ihre traditionelle Behausung heißen sie Hogan. Es handelt sich dabei um einen mit Erde bedeckten, zumeist achteckig konzipierten Kuppelbau, der von einem Stangengerüst gehalten wird. Sein Eingang weist stets nach Osten und ist damit dem heiligen Wesen der aufgehenden Sonne zugewandt. Im Gegensatz zu den Pueblo-Indianern sitzen die Frauen an senkrechten Webstühlen. Als sie sich um 1550 der aggressiv-blutrünstigen Spanier zu erwehren hatten, übernahmen sie die Schafzucht. Das Treiben der Tiere in kleineren Herden über die weiten Ebenen des halbdürren Landes gefiel ihnen sicherlich, da es sie an ihre frühere nomadisierende Lebensweise erinnerte. Bis heute leben nicht wenige Familien der Navaho frei und unabhängig von der Schafzucht, wohnen in Hogans und pflegen einen traditionellen Lebensstil. Im Sommer sitzen die Frauen im kühlen Schatten eines Baumes und weben die schönsten Stoffe. Jede Frau schafft ihre ureigenen Muster, niemals entstehen diese nach einer aufgemalten Vorlage. Die Navaho leben in einer matrilinearen Gesellschaftsstruktur.

Die Welt wurde in ihren religiösen Vorstellungen von den vier Himmelsrichtungen mitgeschaffen, was in meiner Erzählung "Der im ungekannten Land nach vier Richtungen Ausschreitende" ein wichtiges Motiv ist. Entsprechend heilig sind den Navaho die verwandten vier Winde. Ihre Mythen erzählen vom Aufstieg der insektenartigen Nilch`i dine`é, den "Luft-Geist-Leuten", aus einer tief in der Erde gelegenen Ur-Sphäre. Sie wissen davon zu berichten, wie diese Wesen sich allmählich zur Erdoberfläche hinaufarbeiteten, wo sie sich schließlich zu Nikookáá`dine`é, den "Erdoberflächen-Leuten", entwickelten, um in einem Zusammenschluß menschlicher Sippen und Clane zu leben. Faszinierend ist, daß sich darin ein Evolutionsgedanke ausdrückt, der von der staunendmachenden Reife ihres Denkens zeugt. Freilich ist dies eine geistbedingte Evolution und keine zufallsbedingte, die allenfalls dem „Stärkeren“ dient. Auch scheint sich darin ihre Wanderschaft über den Kontient niederzuschlagen, die in den Mythen vertikal verläuft, von Weltschicht zu Weltschicht; ein Wesen schält sich aus den innersten Ebenen der Mutter Erde ins Werden zum Menschen.

In die Teppiche werden anhand von Mustern die Mythen und religiösen Inhalte miteingewoben. Es besteht eine gewisse Verwandtschaft zu den rituellen, hochheiligen Sandbildern. Jedes Zeremoniell verfügt über ein eigenes, spezifisches Sandbild; davon sind bis heute Aberhunderte in Gebrauch, was aufzeigt, daß die Navaho den christlichen, stets religionsfaschistoiden Missionierungs-Wahn überstanden haben. Hintergrund der Rituale ist die Vorstellung von einem Universum, das eine organische Ganzheit, das also selbst lebendig ist. Jede Störung der kosmischen Harmonie hat Krankheit oder Unglück zur Folge, sodann können nur spirituelle Riten dies wieder ins Lot bringen und das hochheilige Gleichgewicht wiederherstellen. Während der Heilzeremonie setzt sich der Patient in ein ganz bestimmtes heiliges Sandbild, das eine mythische Ordnung enthält. Daß die christlich geprägte Zivilisation der Eroberer, der US-Amerikaner soviel Zerstörung bringt, zeigt deutlich deren schwerwiegenden Irrtümer gerade auch in religiösen Fragen auf.


Bis heute ist die altüberlieferte Schöpfungsgeschichte für viele Navaho die Seele ihrer Identität. Darin erfahren sie ihre Rolle als Mensch, und wie sich jeder Einzelne in rechter Weise mit einem Anderen in Beziehung setzt, ob dieser Andere nun ein Mensch, ein Tier, ein Baum, ein Stein oder ein mythisches Wesen ist. Und er lernt wie Beziehungen zwischen den Gemeinschaften und mit dem Kosmos selbst zu leben sind. All dies ist für die traditionellen Navaho ungebrochen von höchster Wichtigkeit. Und vergessen wir nicht, daß unsere eigenen keltischen, germanischen und slawischen Vorfahren ähnlich lebten wie sie.

Dargestellt werden in ihren erzählenden Sandbildern die hochheiligen Symbole von Regen, Blitz und Wolken, dazu alle Gestalten der Navaho-Mythologie, darunter ihre Götter, die «Heiligen Leute», die als langgestreckte menschenähnliche Figuren aus farbigen Sand gezeichnet werden, denen alle Dinge der Welt, auch wir Menschen, ihr Dasein zu verdanken haben. Die Symbole der heiligen Pflanzen wie Mais, Bohne, Kürbis und Tabak haben ihren Ursprung wiederum in der Religion der Bodenbauer, wo sie auf Inhalte ihrer Nachbarn, die Pueblo-Indianer zurückgreifen.



Ein Sandbild wird mit pulverisierter bunter Erde und Maismehl ausgestreut, der behende durch die Finger rinnt, die so wie ein feiner Pinsel agieren. Dieser Vorgang wird von uralten Heilgesängen begleitet, die von einem Medizinmann intoniert werden. Der Erkrankte setzt sich auf ein solches Sandbild, um direkten Kontakt mit den dargestellten heiligen Wesen und Göttern zu erfahren und sich mehr als sinnbildlich in die hochheilige Harmonie des Kosmos hineinzubegeben, die Hozo genannt wird; der zu heilende Mensch findet sich also in ihrer heiligen Mitte wieder. Die Sandmalereien müssen vor Sonnenuntergang wieder verwischt werden.

Die Leser meines Buches mögen sich nach der Lektüre allüberall auf die Suche nach Schlangenspuren begeben, nachdem sie „Der im ungekannten Land nach vier Richtungen Ausschreitende“ gelesen haben! Zudem hoffe ich, daß sie durch meine Erzählung die Tiefe mythischen Denkens umfassend begreifen. Denn sie ist dem rein rechnerischen Verstand unserer seelisch verarmten Zivilisation in Wahrheit im ganzen Spektrum des Begreifens von Welt, Kosmos und Leben weit überlegen.

____________________________________________________________________________________Alexander A. Gronau








Der im ungekannten Land nach vier Richtungen Ausschreitende

von Alexander A. Gronau

In Afghanistan spielende Antikriegserzählung um einen US-Soldaten
indianischer Herkunft, textlich erweiterte 2. Auflage, mit 4 farbigen Schriften, 6 teilweise farbigen Bildern und einer farbigen Abbildung des inneren Musters der Geschichte auf Pergamentpapier, 142 Seiten.

Buch im Großformat, mit rotgoldenem Kopfschnitt manufakturgefertigt
und vom Autor signiert; 20,95 Eur. Alle Rechte vorbehalten.


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Leserstimme zur Erzählung:

Auch dieses Buch von Ihnen ist außergewöhnlich und intensiv. Stark berührt haben mich in der Geschichte viele Szenen, wie zum Beispiel der indianische Soldat, der sich auf der Flucht durch die Wüste allem entledigt, alle Kleidung auszieht, und sich damit vom Krieg entbindet. Und zuvor, wie seine verschüttete Identität durch die Szene einer Massenhinrichtung, und durch die Erkenntnis, sich mit dem Militäreid zu schlimmsten Verbrechen hergegeben zu haben, aus ihm herausbricht, und er in die Wüste flüchtet, in eine scheinbare Leere hinein, in der er das Seelische der Landschaft und seinen eigenen Geist erfährt. Es ist beeindruckend, wie er zu all dem die Kraft hat. Es ist spürbar, daß diese Kraft mit dem Wissen seines Volkes zu tun hat, das ihm nicht wirklich verloren war.

Daß er in der Schlucht Felszeichnungen findet, die ihn an die seines eigenen Stammes erinnern, ist ein ausdrucksstarkes Bild dafür, daß die ursprünglichen Kulturen weltweit stark verwandt sind in ihrem Denken. Die Begegnung mit der aus ihrer patriarchischen Kultur verstoßenen, einheimischen Frau, die sich der Schlucht nähert, war ebenso faszinierend: Wie beide das innere Wesen des Anderen erkennen, obwohl sie sich nicht unterhalten können, indem gezeigt wird, daß das gesprochene Wort nicht immer zum Verstehen notwendig ist, da beide den Anderen durch das Schweigen hindurch wahrnehmen können. Eindringlich ist auch, wie er in einer anderen Himmelsrichtung das Gefangenenlager durch den Blick eines vorüberfliegenden Vogels verlassen kann. Oder wie er später in die Himmelsregion reist.

Die Erzählung gibt ungewöhnlich tiefe Einblicke in ein schamanstisches Weltbild. Der Geschichte entnehme ich, daß der Mensch über seine eigenen Grenzen hinausgehen kann, wenn er sich selbst als ein mit der Welt Verwandter erkennt. Ich habe der Geschichte lange nachgespürt.


Leserstimme zur Erzählung:
Ich bin schwer beeindruckt davon wie deine Geschichten auf mich wirken! Jede auf ihre Art. Im Gedankenaufzeichner habe ich mich wiedererkannt. Und ich frage mich, ob das jetzt eher schön oder traurig ist. Der Gestaltenwandler im Ungekannten Land läßt mich gleichzeitig erschauern und doch fühle ich auch soetwas wie Trost. Es ist schon seltsam, welche Saiten deine Worte in einem so zum Schwingen bringen... Das sind keine Geschichten sondern Kompositionen!



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