Leseprobe "Die kleine Walküre auf Heldenwegen", Band 3 der Reihe



Aus dem Kapitel: SEELENBÜNDNIS

Abends stand Tobias in seinem Gästezimmer der Bauernhof-Pension am weit geöffneten Fenster. Er sah nach den Bergzügen der Sächsischen Schweiz, die bei Sonnenuntergang in das zart-rosige Licht einer Dämmerung getaucht waren. Er wußte, daß ihnen der gischtweiße Schwanenfelsen als ein geheimes Tor des Walkürenreiches inneliegt.

Malerisch war der Anblick! Immer mehr des sanft strahlenden Gewölks zog es aus dem gesamten Himmelsraum nach den mächtigen Felsen hin, deren Schatten Wälder waren. Sehnsuchtsvoll war seine Stimmung, denn er vermißte das Walkürenmädchen, deren Heimat ihm dort draußen so nah und doch so fern war. Er seufzte aus ganzem Herzen. Wenn er Vala doch nur herbeirufen könnte!, dachte er bei sich.

Und dann sah er etwas! Es blitzte inmitten der Bergmassive. Und zwar mehrfach, wie von gespiegeltem Licht. Es wirkte auf Tobias wie ein absichtlicher Abendgruß an die untergehende Sonne. Denn die Lichtsignale gingen immer von der gleichen Stelle aus. Aber Näheres konnte er nicht ausmachen. Da erinnerte er sich an sein altmodisch aufschiebbares Fernglas. Sofort rannte er zu seinem noch unausgepackt gebliebenen Koffer, der auf dem Bett lag und wühlte darin nach dem begehrten Objekt. In der Hoffnung, das Lichtphänomen wäre noch nicht verschwunden, eilte er mit diesem schleunigst nach dem Fenster zurück und setzte es sich sofort vor das rechte Auge. Und tatsächlich! Dort blitzte wieder etwas, und zwar ging es von einem sogenannten Plateau unterhalb des höchsten Felsengipfels aus. Tobias Herz schlug schneller, denn er hielt dieses für einen der sagenumwobenen Geheimnishorte der Walküren!

Als Tobias sein Fernrohr noch schärfer eingestellt hatte, glaubte er sogar zu erkennen, daß das funkelnde Licht von der feurig glimmenden Speerspitze einer Walküre ausging! Deren besondere Beschaffenheiten kannte er von Vala zu Genüge. Ganz wenig senkte er nun seinen Blick gemeinsam mit dem Fernrohr, und glaubte sodann für die Dauer eines langen Augenblicks eine stolze Walküre mit bronzen schimmender Brünne, dem unverwundbar machenden Brustharnisch der Walküren!, und wehendem Haar dastehen zu sehen. Jene Walküre, die bestimmt eine der Schwestern Swanhilds war, hatte eine feierlicher Haltung. Betont aufrecht war sie der untergehenden Sonne zugewandt. Und zwar in einer Weise, daß Tobias zu erkennen glaubte, daß sie der Sonne ein Lied sang. Wie gerne hätte er dieses Lied gehört, haben Walküren doch so zauberhafte Stimmen!

Als er schließlich zwinkerte, sah er nichts mehr davon. Auch die Lichtblitze aus der Felsenlandschaft hatten schlagartig aufgehört. Und der Himmel war plötzlich dunkler geworden. Tobias war sich ganz sicher, nicht mit offenen Augen geträumt zu haben. Und auch jede Sinnestäuschung schloß er aus. Er hatte die Walküre mit ihrem Speer, der die Sonne grüßte, viel zu deutlich gesehen!

Ohne weiter nachzudenken, beugte er sich weit aus der Fensteröffnung und rief zwar inbrünstig, aber doch auch notgedrungen mit gedämpfter Stimme, da es ja insbesondere der grimmige Herr Georg Grimm in einem der Nebenzimmer auf keinen Fall hören durfte: „Vala! Bitte flieg zu mir! Ich bin wieder da, in deinem Land! Bitte komm zu mir!“ Eine Weile hielt er seinen Blick in der Ferne, als erwarte er alsbald in von Wolken durchschwebten Höhen oberhalb der felsigen Bergzüge Valas fliegende Gestalt im Schwanenkleid auszumachen. Dann kam ihm ein Gedanke, auf welche Weise es ihm gelingen könnte, die kleine Walküre herbeizurufen. Sein Einfall gründete auf dem Seelenbündnis, das zwischen ihnen beiden besteht, wie es ihm Vala schon vor Monaten in voller Würde offenbart hatte.

Er wendete sich ins Zimmer zurück und ging rasch zu seinem Bett, von dem er mit fahrigen Bewegungen den Koffer vom Bett räumte. Dann zog er sich die Schuhe aus, indem er jeweils mit einer Fußspitze ungeduldig den Versenbereich hinunterdrückte, und legte sich ausgestreckt aufs Bett. Dann holte er sein Medaillon an der Halskette aus dem Hemdkragen hervor, hielt es in seiner Hand und atmete mehrmals tief durch, ehe er es aufklappte.

Darin eröffnete sich ihm das Bild der kleinen Walküre mitsamt ihrem majestätischen Flügelhelm. Ganz still sah es sich Tobias an, indem er besonders ihr edelmütig stolzes, und zugleich zart-sanftes Angesicht schwanengleicher Bläße voller Andacht betrachtete. Leuchtend glimmend, wurde es von ihrem walkürenlangen Haar bernsteinfarben umrahmt. Sieben Zöpfe finden sich darin eingeflochten, die große Geheimnisse bedeuten, welche Vala aus den Götterwelten kennt. Ihre lieblichen Sommersprossen zeigen Tobias gleich einer Landkarte die genaue Lage all der von ihr gekannten Geheimnishorte im Walkürenreich an. Ihr Blick aus güldenen Augen war so lebendig, daß sich Tobias gar nicht mehr davon abwenden wollte. Mit seelentiefer Wärme ging dieser Blick immer weiter in ihn ein, bis es ihm jedes Bangen nahm. Auch und gerade vor dem unheimlichen Georg Grimm, dem reglos steifen Mann mit dem versteinerten Gesicht.

Dann flüsterte Tobias dem Bild etwas zu, als sei es das Walküren-Mädchen selbst: „Wo bist du, Vala? Wann kommst du zu mir?“ Sein Herz schlug ganz aufgeregt und fühlte sich in seiner Brust wie tanzend an. Derweil lauschte er so gespannt, als erwarte er eine Antwort.

Es blieb alles ruhig im dämmrig halb-hellen und damit zugleich halb-dunklen Zimmer, bis er glaubte, die Stille würde leise knistern. Und zwar knistern wie die entflammte Speerspitze einer Walküre! Es machte Tobias noch aufgeregter.

Und dann meinte er Valas schöne Stimme in sich selbst zu hören: „Du mußt erspüren, wo ich bin!“ raunte sie hell. „Erspüre, wo ich auf dich warte, Thorbias, mein werdender Held! Das ist deine erste Aufgabe! Sie steht am Anfang dieses Sommers, der unser Sommer sein wird! Schön leuchtet uns die Sonne! Sie grüßt uns! Freue dich! Heldenwege wirst du gehen, so mutig!“

Dann ward es wieder gänzlich still. Der wuchtige Bauernschrank, die daneben stehende Kommode und der Tisch am Fenster, alle Gegenstände im Raum waren zu halben Schatten geworden, da eine mondbeschienene Nacht sich in die schwindende Dämmerung mischte.


Und Tobias lag wie gebannt auf seinem Bett und versuchte ganz leise zu atmen, was ihm aber aufgrund seiner Nervosität sehr schwer fiel. Er hoffte so sehr, noch etwas von Vala zu hören!

Die Hoffnung schwand ihm schon dahin. Da vernahm er in sich doch noch einmal Worte der kleinen Walküre. Jetzt waren sie ein wenig schwächer als eben noch, so als entferne sich Vala allmählich von ihm: „Erspüre, wo ich bin, wo ich deiner harre im Land!“ Zart-mächtig klang sie! „Gedenke unserem Seelenbündnis! Spüre! Fühle! Finde den Hort, wo ich bin, mein werdender Held!“

Und dann, nach dem Ausklingen der letzte Silbe Valas, war es um ihn her auf andere Art still als zuvor. Denn kein Knistern war mehr zu vernehmen. Stattdessen war da der Wind von draußen sacht zu hören und brachte eine angenehm frische Brise der Nachtluft in sein Zimmer.

Statt von dem mythischen Erlebnis mit Vala aufgewühlt zu sein, wie anzunehmen gewesen wäre, erfaßte Tobias hingegen eine tiefe Müdigkeit. Vielleicht hatte die Seelenverbindung zu Vala doch viel Kraft gekostet! Das Letzte, woran er vor dem Einschlafen dachte, war, daß er ja eigentlich die Nachttischlampe als Zeichen für Vala ins Fenster hatte stellen wollen. Er merkte, daß er das jetzt nicht mehr schaffen würde. Es beruhigte ihn aber, zu wissen, daß es nun auch nicht mehr wirklich notwendig war. So schlief er in seinen Klamotten nicht nur auf dem Bett, sondern sogar auf der Decke ein. Diese fühlte sich jedoch in etwa so voluminös und flauschig wie eine Wolke an.

Tobias begann etwas Wundersames zu träumen: Er durchflog das mit Sonnen nur so durchsäte Dunkel des Weltraums. Das Walkürenmädchen Vala, das seine rechte Hand fest umfaßt hielt, konnte er leider nicht sehen, da er strickt nach vorne guckte. Aber er spürte deutlich ihre Gegenwart an seiner Seite. Und immer mehr Sonnen begannen im Dunkel des Alls aufzuschimmern wie des nachts schillernd aufblühende Blumen. Dann nahm er die samtene Dunkelheit des unfaßbar weiten Universums von einem bronzenen Ton warm durchdrungen wahr. Er wußte sogleich, daß er da nichts Geringerem als dem Urgrund des Weltalls lauschte und empfand darum große Ehrfurcht. Dieses Wissen hatte sich als ein festes Gespür von Vala auf ihn übertragen.

Als Tobias zur Morgendämmerung ganz allmählich wach wurde, beschien ihn das blütenzarte Rot der aufgehenden Sonne behaglich. Er fühlte sich beim Aufstehen nicht nur ausgeruht, sondern richtiggehend mutig. Und er empfand eine große Zuversicht, daß es ihm gelingen würde, den erhabenen Ort zu erspüren, an dem das Walkürenmädchen Vala auf ihn wartete. Er fühlte sich im Ganzen eher als Thorbias denn als Tobias. Aber davon wird das nächste Kapitel zu erzählen wissen.


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